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Es ging immer nur um Jungen: Erzählungen
Es ging immer nur um Jungen: Erzählungen
Dieses Buch ist vor allem dem Andenken an Walter Foelske ge­widmet. Er hinterließ einen Romananfang, den er gerade begon­nen hatte und an dem er bis kurz vor seinem Tod arbeitete. Dieses Fragment möchte ich als letzten Text hinter meinen im Buch ein­fügen und so der interessierten Leserschaft zugänglich machen. Da er wie die anderen auch um das Thema Jungen kreist, paßt er gut hierhin. Außerdem zeugt er von der lebendigen und originel­len Sprachkraft dieses Autors, die mich immer wieder fasziniert, inspiriert und angespornt hat. Ohne ihn wäre ich niemals zum Schreiben gekommen. Wie wir uns kennenlernten, beschreibe ich in meiner Erzählung „Vom Kinderkrankenpfleger zum Schreiben“ – ein Auszug aus „Wucherungen IV“. Seit diesem für uns lebenswichtigen Ereignis sind wir immer zusammen gewesen. Er half mir aus größter Be­drängnis und ich ihm: es war ein fruchtbares Geben und Nehmen – ein Glücksfall für jeden von uns. Nach seinem Tod war ich wie gelähmt. Ein wenig fängt das die Erzählung (wieder ein Auszug aus „Wucherungen IV“) „Der jun­ge Asylsuchende“ ein. Nachdem ich zwei Bücher über Walters Sterben und meine Trauer darüber geschrieben habe, las ich mir noch einmal seinen begonnenen und durch seinem Tod unterbro­chenen Romananfang durch: eine Initialzündung für mich, gleich­sam sein Erbe – Hinweis darauf, wie ich künftig weiter zu arbeiten habe. Walter hat ständig auf mich eingewirkt, unbeirrt über mein The­ma zu schreiben. Und ich habe mich oft dagegen gesträubt, bin ausgewichen, habe andere Wege ausprobiert. Letztlich bin ich aber immer wieder zu meinem Anliegen zurückgekehrt: die Leidenschaft für Jungen – in den letzten Jahrzehnten immer heftiger und absurder verpönt. Sein Fragment hat mich dazu gebracht, meine Erzählung „Es ging immer nur um Jungen“, die Titelgeschichte dieses Buches, aber auch „Der Wilde“ zu schreiben – sowie keine Ausflüchte mehr zu machen und künftig entschlossener mein Ziel, sozusagen eine literarische Gegendarstellung zu dieser allgemein diffamierten Orientierung, im Auge zu behalten. Die beiden Therapie-Texte, eine Art Rollenprosa, loten die An­fangsgründe für diese Neigung aus: Geborgenheit unter gleichalt­rigen kleinen Kindern, die mich, ein Herdentier unter ihnen von frühauf, gegen eine feindselige Erwachsenenwelt schützten – da­her wohl auch mein Urmißtrauen gegen sie und vielleicht mein Gefühl der Attraktivität in der solidarischen Gemeinschaft mit Kindern. Prototyp des Erwachsenen: Nonnen, Erzieherinnen, vor allem aber die Mutter – alles Frauen, woher auch das gestörte Verhältnis zum anderen Erwachsenengeschlecht herrühren könnte. Walter hat mir die Kindheit später mit seiner Freundschaft – wenn nicht wiedergegeben, so doch ersetzt: wir waren uns Kind und Eltern in einem und immer den sogenannten „minderjährigen“ Mitgliedern unserer Spezies zutiefst verbunden, die uns auch stets auf eine subversive Weise inspiriert haben. Ein wenig hoffe ich, mit diesem Buch sein Werk fortsetzen zu können, wenngleich sein erloschenes, nach wie vor völlig ignorier­tes Schreibtalent (als „Genie“ wollte er nie bezeichnet werden) durch niemanden zu ersetzen ist. R.K.
Buchautor: Reinhard Knoppka
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
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